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In den römischen Provinzen gilt auch römisches Recht. Kleinere Delikte werden vom Ortsrat geahndet, bei größeren Vergehen kommt der Fall vor den Statthalter in Mainz. Die Strafen sind grausam, Auspeitschen ist an der Tagesordnung. Das römische Rechtssystem ist ein Mitgrund für den Widerstand der Germanen, denn bei ihnen werden Vergehen von einer Volksversammlung bewertet und können oftmals mit einer Bußezahlung gesühnt werden.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Römische Münzen
Römische Münzen. Foto: S. Theby
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Abbildung eines keltisch-germanischen Fruchtbarkeitskultes stammt aus der Zeit der römischen Besetzung
Diese Abbildung eines keltisch-germanischen Fruchtbarkeitskultes stammt aus der Zeit der römischen Besetzung. Foto: S. Theby
 
 
 
 

 

 

 

 

Modell einer Villa Rustica

Modell einer Villa Rustica. Foto: S. Theby

Wirtschaftsboom in Germania Superior

Die Besatzer werden zur Schutzmacht

Mit dem Einzug der Römer ändert sich das Leben in den nunmehr besetzten Gebieten. Zum ersten Mal wird das Land eingeteilt, gezielt besiedelt und planmäßig bewirtschaftet – mit großem wirtschaftlichem Erfolg.

Von Sebastian Theby

Ein Teil des Taunus, die Wetterau und das Gebiet südlich des Mains sind in römischer Hand. Fast 30.000 Soldaten werden in der Nähe des Limes stationiert. Der Legionsstandort ist Mogontiacum (Mainz), von hier aus regiert der Statthalter des Kaisers die neugegründete römische Provinz Germania Superior.

Neue Siedlungen entstehen
Nach der Gründung der Provinz und dem Bau des Limes strömt eine Menge Menschen in die neuen Gebiete – Abenteuerlustige aus den gallischen Gebieten im Westen. Für Rom eine gute Sache, denn das Imperium braucht in seinen Provinzen viele zahlende Einwohner, ganz gleich ob Römer, Germane oder Gallo-Romane. Selbst Einwohner nordafrikanischer Abstammung sind zu finden. Mit den bereits romanisierten Neuankömmlingen hält die römische Lebensweise Einzug und verbreitet sich auch unter den verbliebenen Germanen. Germanische Siedlungen werden größtenteils aufgegeben, dafür entstehen römische Stadtzentren wie der Hauptort der Civitas taunensium, Nida (Frankfurt-Heddernheim), oder Vicus Med. (Dieburg). Zum Teil werden aufgegebene Kastelle zum Gründungsort für diese neuen Ansiedlungen. Die Städte werden durch schnurgerade Straßen miteinander verbunden – ein echtes Novum in Germanien. Die Straßen werden auch dringend benötigt, denn auf verschlungenen Pfaden wäre der Transport von Unmengen Getreide und anderen Gütern viel zu langsam und teuer. Allein die Versorgung des Militärs ist ein gewaltiges Unterfangen, und über Rhein und Main kann auch nicht alles abgewickelt werden.

Um die Versorgung der Truppen gewährleisten zu können, werden villae rusticae gebaut. Diese Bauernhöfe bestehen aus mehreren Steingebäuden mit weißgekalkten Wänden und roten Ziegeldächern. Dazu gehören das Wohnhaus des Besitzers und seiner Familie, ein Badehaus, Unterkünfte für Knechte, Ställe, eine Scheune, und vereinzelt sogar ein kleines Heiligtum. Bei großen Höfen finden sich außerdem eigene Schmieden, Gerbereien und ähnliches, was zu einem gewissen Grad die Selbstversorgung gewährleistet. Die Anlage ist von einer Mauer umgeben und liegt inmitten von Feldern und Viehweiden. Obstgärten sind innerhalb der Umfriedung oder auch in unmittelbarer Nähe zu finden. Der Standort wird meist am Geländeverlauf ausgerichtet – ein sonniger Hang, eine naher Fluss oder eine dicht vorbeilaufende Straße sind natürlich immer von Vorteil. Allein in der Wetterau gibt es mehr als 350 solcher Siedlungen, meistens 60 bis 100 Hektar groß. Die Bewohner dieser Gutshöfe – sie stellen drei Viertel der Einwohner des Civitas taunensium – sind zuständig für die Bewirtschaftung der umgebenden Felder. Ein Teil der Ernte kann an das römische Militär verkauft werden, welches ein zuverlässiger und zahlungskräftiger Abnehmer ist.

Schnelles Wachstum
An Getreide jedenfalls herrscht in der Wetterau kein Mangel, die Produktion übersteigt sogar alles bisher dagewesene. Das liegt einerseits an den fruchtbaren Böden, andererseits am kulturellen Vorsprung der Römer vor den Germanen. Literatur über Landwirtschaft ermöglicht maximale Erträge, und im Gegensatz zu den Germanen verfügen die Bauern auf römischem Gebiet über erstklassiges Werkzeug. Jede villa rustica hat ein ansehnliches Sortiment an ehernem Gerät, welches meist aus den Städten stammt. Dort profitiert man wiederum von den hohen Erträgen der Höfe, die gute Versorgung lässt die Städte schnell wachsen. Es entstehen Verwaltungs- und Gerichtsgebäude, Aquädukte, Theater und natürlich Wohnhäuser.

Alle Arten von Handwerkern siedeln sich zunehmend an. Immer mehr Schmiede, Schneider, Gerber, Tischler, Steinmetze, Maurer, Schuster und andere beliefern die villae rusticae und die Kastelle mit ihren Erzeugnissen oder handeln ihre Ware auf den städtischen Marktplätzen. Der Handel läuft auf Hochtouren, und macht auch nicht vor der Reichsgrenze halt. Handelsstraßen ziehen sich durch die Limesübergänge in germanisches Gebiet, und die Stämme in der Nähe des Limes sind durchaus interessiert an römischen Gütern. Gehandelt werden vor allem Importe aus dem Mittelmeerraum wie Olivenöl und Gewürze, aber auch gallischer Silberschmuck und einheimische Töpferware findet seine Abnehmer. Bezahlt wird mit römischen Gold-, Silber- und Kupfermünzen, der Tauschhandel ist in den römischen Provinzen abgeschafft. Auch die Germanen auf der anderen Seite des Limes finden mitunter Gefallen an dem neuen System.

Ein „neuer“ Glaube
Abgeschafft ist jedoch nicht nur der Tauschhandel. Die germanischen Götter müssen ebenfalls den Rückzug antreten, zumindest ihr Name ist Vergangenheit. Weil Rom den alten Glauben aber ohnehin nicht ganz verdrängen kann, belegt man der Einfachheit halber die alten Götter mit den römischen Entsprechungen – und fertig ist die römische Interpretation, die Interpretatio Romana. Auf diese Weise wird der Göttervater Wodan zu Merkur, der Donnergott Donar zu Herkules, und der Kriegsgott Ziu zu Mars. Dabei ist die römische Religion selbst stark von der griechischen beeinflusst – der gesamte griechische Pantheon wurde umbenannt und übernommen – und es lassen sich zudem Einflüsse aus dem Orient, Kleinasien und Ägypten feststellen. Als sichtbares Zeichen der „neuen“ Religion bauen die Römer an vielen Stellen Tempel, Altäre und dem Jupiter geweihte Säulen.

Doch wie ist eigentlich das Verhältnis zwischen Besatzern und Besetzten? Immerhin haben die Römer das Leben der Menschen von Grund auf geändert. In den frühen Jahren der römischen Präsenz ist der Begriff „Besatzer“ auch sicherlich noch gerechtfertigt, es gilt immer mal wieder kleinere Aufstände niederzuschlagen. Im Laufe der Zeit bessert sich das Verhältnis zwischen stationierten Truppen und den Provinzbewohnern jedoch. Auch von außen drohen weniger Angriffe, deshalb wird innerhalb von 20 Jahren die Anzahl der stationierten Truppen halbiert. Die Situation in Germania Superior entspannt sich. Neben dem Zuzug von ohnehin romanisierten Menschen ist es vor allem der wirtschaftliche und kulturelle Boom, der die römische Herrschaft in der Gunst der Menschen steigen lässt.


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