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Wirtschaftsboom in Germania Superior Die Besatzer werden zur Schutzmacht Mit dem Einzug der Römer ändert sich das Leben in den nunmehr besetzten Gebieten. Zum ersten Mal wird das Land eingeteilt, gezielt besiedelt und planmäßig bewirtschaftet – mit großem wirtschaftlichem Erfolg. Ein Teil des Taunus, die Wetterau und das Gebiet südlich des Mains sind in römischer Hand. Fast 30.000 Soldaten werden in der Nähe des Limes stationiert. Der Legionsstandort ist Mogontiacum (Mainz), von hier aus regiert der Statthalter des Kaisers die neugegründete römische Provinz Germania Superior. Neue Siedlungen entstehen Um die Versorgung der Truppen gewährleisten zu können, werden villae rusticae gebaut. Diese Bauernhöfe bestehen aus mehreren Steingebäuden mit weißgekalkten Wänden und roten Ziegeldächern. Dazu gehören das Wohnhaus des Besitzers und seiner Familie, ein Badehaus, Unterkünfte für Knechte, Ställe, eine Scheune, und vereinzelt sogar ein kleines Heiligtum. Bei großen Höfen finden sich außerdem eigene Schmieden, Gerbereien und ähnliches, was zu einem gewissen Grad die Selbstversorgung gewährleistet. Die Anlage ist von einer Mauer umgeben und liegt inmitten von Feldern und Viehweiden. Obstgärten sind innerhalb der Umfriedung oder auch in unmittelbarer Nähe zu finden. Der Standort wird meist am Geländeverlauf ausgerichtet – ein sonniger Hang, eine naher Fluss oder eine dicht vorbeilaufende Straße sind natürlich immer von Vorteil. Allein in der Wetterau gibt es mehr als 350 solcher Siedlungen, meistens 60 bis 100 Hektar groß. Die Bewohner dieser Gutshöfe – sie stellen drei Viertel der Einwohner des Civitas taunensium – sind zuständig für die Bewirtschaftung der umgebenden Felder. Ein Teil der Ernte kann an das römische Militär verkauft werden, welches ein zuverlässiger und zahlungskräftiger Abnehmer ist. Schnelles Wachstum Alle Arten von Handwerkern siedeln sich zunehmend an. Immer mehr Schmiede, Schneider, Gerber, Tischler, Steinmetze, Maurer, Schuster und andere beliefern die villae rusticae und die Kastelle mit ihren Erzeugnissen oder handeln ihre Ware auf den städtischen Marktplätzen. Der Handel läuft auf Hochtouren, und macht auch nicht vor der Reichsgrenze halt. Handelsstraßen ziehen sich durch die Limesübergänge in germanisches Gebiet, und die Stämme in der Nähe des Limes sind durchaus interessiert an römischen Gütern. Gehandelt werden vor allem Importe aus dem Mittelmeerraum wie Olivenöl und Gewürze, aber auch gallischer Silberschmuck und einheimische Töpferware findet seine Abnehmer. Bezahlt wird mit römischen Gold-, Silber- und Kupfermünzen, der Tauschhandel ist in den römischen Provinzen abgeschafft. Auch die Germanen auf der anderen Seite des Limes finden mitunter Gefallen an dem neuen System. Ein „neuer“ Glaube Doch wie ist eigentlich das Verhältnis zwischen Besatzern und Besetzten? Immerhin haben die Römer das Leben der Menschen von Grund auf geändert. In den frühen Jahren der römischen Präsenz ist der Begriff „Besatzer“ auch sicherlich noch gerechtfertigt, es gilt immer mal wieder kleinere Aufstände niederzuschlagen. Im Laufe der Zeit bessert sich das Verhältnis zwischen stationierten Truppen und den Provinzbewohnern jedoch. Auch von außen drohen weniger Angriffe, deshalb wird innerhalb von 20 Jahren die Anzahl der stationierten Truppen halbiert. Die Situation in Germania Superior entspannt sich. Neben dem Zuzug von ohnehin romanisierten Menschen ist es vor allem der wirtschaftliche und kulturelle Boom, der die römische Herrschaft in der Gunst der Menschen steigen lässt.
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