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Keinen Schritt zurück! Der Limes: Roms Reaktion auf germanischen Partisanenkrieg Nach mehr als 30 Jahren verlustreichem
Krieg beschließt Kaiser Tiberius im Jahr 17, auf die Eroberung des
freien Germaniens zu verzichten. Defensive ist die neue Maxime, die den
römischen Provinzen Sicherheit bringen soll – doch die kämpferischen
Chatten geben keine Ruhe. Während die Römer sich vom Jahr 17 an darauf konzentrieren, die Rheingrenze besser zu sichern, verschieben sich im Inneren Germaniens die Machtverhältnisse: Die Stämme bekriegen sich untereinander; infolge dessen zerfällt das Reich Marbods und die einst mächtigen Cherusker verlieren an Bedeutung. Die Chatten dagegen übernehmen immer mehr eine führende Rolle im germanischen Stammesgefüge. Bis zum Jahr 41 bleibt es relativ ruhig am Rhein und die Römer können ihren Brückenkopf von Mainz-Kastel und Wiesbaden bis Hofheim erweitern, wo sie ein Kastell errichten. Bald darauf fallen Chatten marodierend in Gallien ein. Roms Gegenschlag spornt den kämpferischen Stamm jedoch eher zu weiteren Untaten an, anstatt ihm Respekt vor den Grenzen des Imperiums einzuprügeln: Wiederholt ziehen danach Chatten plündernd durch römisches Gebiet. Daher starten die Römer im Jahr 50 einen Umfassungsangriff, um den Stamm endgültig in seine Schranken zu verweisen. Zwei Heerzüge aus mehreren Legionen rücken mit Hilfstruppen verbündeter Stämme entlang der altbewährten Route durch die Wetterau vor. Die Chatten werden in zwei Schlachten entscheidend geschlagen – worauf eine Gesandtschaft des Stammes ein Friedensangebot überreicht. Die Verhandlungen verlaufen offenbar so erfolgreich, dass sich das Verhältnis der beiden Machtblöcke für rund 20 Jahre beruhigt. Bürgerkrieg in Rom: die Rheingrenze
fällt Chatten und verbündete Stämme nutzen ebenfalls die Gunst der Stunde und erobern den römischen Brückenkopf um Wiesbaden. Sie brennen alles nieder. Auch das Kastell in Hofheim geht in Flammen auf, wie Bodenfunde belegen. Dann überqueren sie den Rhein und belagern das Zweilegionslager in Mainz. Erst als die Germanen bereits auf dem Rückmarsch sind und „ahnungslos dahinzogen“, treffen aus Neuss zum Entsatz herbeieilende Truppen ein, die über die Abziehenden herfallen und „schweren Blutzoll“ verlangen. Doch immer mehr Stämme schließen sich dem Aufstand mit dem Ziel an, ein gallisches Imperium zu gründen. Der römische Widerstand am Rhein bricht bald zusammen; alle Kastelle nördlich von Mainz werden niedergebrannt. Wer sich weigert, einen Eid auf das Imperium Galliarum zu leisten, wird hingerichtet – so etwa die Stabsoffiziere in Mainz. Das Imperium schlägt zurück
– und bleibt Strategische Überlegungen bewegen Vespasian dazu, die Grenze des Imperiums über den Rhein nach Osten zu verlagern: Von Taunus und Wetterau im Norden und dem Schwarzwald im Süden, bis zu den nordwärts fließenden Abschnitten von Neckar und Main als östliche Grenze nehmen Roms Truppen das Land in Besitz. Zügig überziehen die Römer die Gebiete mit einem Straßennetz, wodurch Truppen schneller zwischen Rhein- und Donauprovinzen verlegt werden können. Militärlager nahe den germanischen Siedlungsräumen sorgen für Sicherheit. Auch im Rhein-Main Gebiet entstehen Kastelle, so in Frankfurt-Heddernheim und auf dem Frankfurter Domhügel, in Okarben und Friedberg. Der Chattenkrieg: Partisanenkampf
gegen Roms Legionen Von allen Germanen beherrschen die Chatten die Kunst des Krieges am besten, wie Tacitus später berichtet: „Für Germanen gehen sie mit viel Überlegung und großem Geschick vor: Sie übertragen das Kommando ausgewählten Leuten, hören auf Vorgesetzte, kennen geordnete militärische Verbände, nehmen günstige Gelegenheiten wahr, verschieben auch mal einen Angriff, verschanzen sich bei Nacht, (...) und setzen, was ganz selten vorkommt und sonst nur römischer militärischer Zucht vergönnt ist, mehr auf den Heerführer als auf das Heer. Ihre ganze Stärke liegt im Fußvolk, das sie außer mit Waffen auch mit Schanzzeug aus Eisen und mit Proviant beladen: Die anderen (Stämme) kann man in eine Schlacht ziehen sehen, die Chatten dagegen in den Krieg.“ Limites machen die dichten Wälder
kontrollierbar An Rhein und Main geht es fortan nur noch darum, die besetzten Gebiete zu halten und ins Imperium zu integrieren. Es entstehen offiziell die Provinzen Ober- und Untergermanien. Obergermanien mit Mainz als Hauptstadt reicht von den Alpen bis Koblenz, Untergermanien umfasst den Landstrich am Niederrhein. Doch Germanien kommt noch nicht zur Ruhe: Im Jahr 89 erhebt sich Saturnius, Statthalter Obergermaniens, mit seinen Truppen gegen Rom. Die Chatten verbünden sich mit ihm und plündern Roms rechtsrheinische Gebiete. Kaisertreue Legionen besiegen Saturnius jedoch schnell und greifen auch die Chatten an. Ein überwältigender Sieg Roms beendet diesen zweiten Chattenkrieg und markiert den Beginn einer langen – Historikern zufolge wahrscheinlich vertraglich begründeten – Friedenszeit an Rhein und Main. Der Limes wird offizielle Staatsgrenze Trajans Nachfolger Hadrian errichtet ein
paar Jahrzehnte später die erste durchgängige Pfahlreihe als
Grenzmarkierung. Bis etwa zum Jahr 160 werden die inzwischen maroden Holztürme
mit Steintürmen ersetzt. Um das Jahr 159 wird auch der Odenwaldlimes
aufgegeben und bis zu 30 Kilometer nach Osten verlegt – wohl auch
um die weitläufigen Wälder in Besitz zu nehmen: Der Holzverbrauch
zwecks Bauen und Heizen ist gigantisch, so dass bis zum Jahr 180 die verfallende
Pfahlreihe am Limes vermutlich wegen Holzmangels mit einem durchgängigen
Graben und Wall ersetzt wird. Bis zum Anfang des dritten Jahrhunderts
gedeiht das Provinzleben, dann beginnt wieder eine Zeit verstärkter
Germaneneinfälle. Sie kündigen den Fall des Limes an –
bis im Jahr 260 das allmählich schwächer werdende Imperium Romanum
seine Truppen wieder hinter den Rhein zurückziehen muss.
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