Impressum

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Kaiser Nero
Kaiser Nero. Foto: Wikimedia Commons
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Stützpfeiler des Aquädukts im Zahlbachtal
Stützpfeiler des Aquädukts im Zahlbachtal. Foto: M. Kania
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Römische Soldaten auf Patrouillenritt
Römische Soldaten auf Patrouillenritt. Foto: Römer und Bajuwaren Museum Burg Kipfenberg
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Steinturm bei Idstein-Dasbach
Steinturm bei Idstein-Dasbach. Foto: Christine Krienke
 
 
 
 
 
 
 

 

 

 

 

Römische Hilfstruppen am Limesübergang

Römische Hilfstruppen am Limesübergang. Foto: Römerkastell Saalburg

Keinen Schritt zurück!

Der Limes: Roms Reaktion auf germanischen Partisanenkrieg

Nach mehr als 30 Jahren verlustreichem Krieg beschließt Kaiser Tiberius im Jahr 17, auf die Eroberung des freien Germaniens zu verzichten. Defensive ist die neue Maxime, die den römischen Provinzen Sicherheit bringen soll – doch die kämpferischen Chatten geben keine Ruhe.
Erst mit dem Chattenkrieg von 83 bis 85 entsteht – zunächst eher beiläufig – das, was für rund 150 Jahre den Frieden bringen wird: der Limes.

Von Martin Kania

Während die Römer sich vom Jahr 17 an darauf konzentrieren, die Rheingrenze besser zu sichern, verschieben sich im Inneren Germaniens die Machtverhältnisse: Die Stämme bekriegen sich untereinander; infolge dessen zerfällt das Reich Marbods und die einst mächtigen Cherusker verlieren an Bedeutung. Die Chatten dagegen übernehmen immer mehr eine führende Rolle im germanischen Stammesgefüge. Bis zum Jahr 41 bleibt es relativ ruhig am Rhein und die Römer können ihren Brückenkopf von Mainz-Kastel und Wiesbaden bis Hofheim erweitern, wo sie ein Kastell errichten. Bald darauf fallen Chatten marodierend in Gallien ein. Roms Gegenschlag spornt den kämpferischen Stamm jedoch eher zu weiteren Untaten an, anstatt ihm Respekt vor den Grenzen des Imperiums einzuprügeln: Wiederholt ziehen danach Chatten plündernd durch römisches Gebiet. Daher starten die Römer im Jahr 50 einen Umfassungsangriff, um den Stamm endgültig in seine Schranken zu verweisen. Zwei Heerzüge aus mehreren Legionen rücken mit Hilfstruppen verbündeter Stämme entlang der altbewährten Route durch die Wetterau vor. Die Chatten werden in zwei Schlachten entscheidend geschlagen – worauf eine Gesandtschaft des Stammes ein Friedensangebot überreicht. Die Verhandlungen verlaufen offenbar so erfolgreich, dass sich das Verhältnis der beiden Machtblöcke für rund 20 Jahre beruhigt.

Bürgerkrieg in Rom: die Rheingrenze fällt
Im Jahr 68 beginnt mit einem gegen Kaiser Nero gerichteten Aufstand eine chaotische Zeit: In Rom kommt es im Jahr 69 zum Bürgerkrieg, in dessen Verlauf die Rheinarmee den Heerführer Vitellius zu „ihrem“ Kaiser ausruft – und ihn mit den besten Kämpfern von drei Legionen nach Rom begleitet, um den Thronanspruch durchzusetzen. Die Rheingrenze ist dadurch bedeutend geschwächt, was den Stämmen jenseits des Flusses nicht verborgen bleibt. Kurz darauf erheben sich die Bataver am Niederrhein und erobern das Zweilegionslager Vetera bei Xanten.

Chatten und verbündete Stämme nutzen ebenfalls die Gunst der Stunde und erobern den römischen Brückenkopf um Wiesbaden. Sie brennen alles nieder. Auch das Kastell in Hofheim geht in Flammen auf, wie Bodenfunde belegen. Dann überqueren sie den Rhein und belagern das Zweilegionslager in Mainz. Erst als die Germanen bereits auf dem Rückmarsch sind und „ahnungslos dahinzogen“, treffen aus Neuss zum Entsatz herbeieilende Truppen ein, die über die Abziehenden herfallen und „schweren Blutzoll“ verlangen. Doch immer mehr Stämme schließen sich dem Aufstand mit dem Ziel an, ein gallisches Imperium zu gründen. Der römische Widerstand am Rhein bricht bald zusammen; alle Kastelle nördlich von Mainz werden niedergebrannt. Wer sich weigert, einen Eid auf das Imperium Galliarum zu leisten, wird hingerichtet – so etwa die Stabsoffiziere in Mainz.

Das Imperium schlägt zurück – und bleibt
Anfang des Jahres 70 endet der Bürgerkrieg, Vespasian wird Kaiser. Er befehligt acht Legionen an den Rhein, die die Aufständischen schnell niederringen. Sie verzichten dabei auf allzu blutige Rache, um die Besiegten doch noch ins Imperium integrieren zu können. In den siebziger Jahren konzentriert sich Vespasian darauf, die Gebiete in Germanien zu sichern: Zwischen Bodensee und Koblenz stationiert er rund 40.000 Mann und lässt die Schäden an den Kastellen ausbessern. In Mainz erhält das Legionslager eine Steinmauer und ein kilometerlanger, bis zu 30 Meter hoher Aquädukt zur Wasserversorgung der Besatzung wird errichtet. Die Reste der Pfeiler sind noch im Zahlbachtal zu sehen.

Strategische Überlegungen bewegen Vespasian dazu, die Grenze des Imperiums über den Rhein nach Osten zu verlagern: Von Taunus und Wetterau im Norden und dem Schwarzwald im Süden, bis zu den nordwärts fließenden Abschnitten von Neckar und Main als östliche Grenze nehmen Roms Truppen das Land in Besitz. Zügig überziehen die Römer die Gebiete mit einem Straßennetz, wodurch Truppen schneller zwischen Rhein- und Donauprovinzen verlegt werden können. Militärlager nahe den germanischen Siedlungsräumen sorgen für Sicherheit. Auch im Rhein-Main Gebiet entstehen Kastelle, so in Frankfurt-Heddernheim und auf dem Frankfurter Domhügel, in Okarben und Friedberg.

Der Chattenkrieg: Partisanenkampf gegen Roms Legionen
Mit der Besetzung der Wetterau rückt die römische Grenze dicht ans Territorium der Chatten heran. Im Jahr 81 berichtet ein Zeitgenosse, zum Krieg gerüstete Chatten stünden am Rhein. Kaiser Domitian entschließt sich im Jahr 83 zum Präventivschlag: Sein Heer mit rund 30.000 Mann zieht wieder durch die Wetterau nach Norden. Doch die Chatten vermeiden es, sich einer offenen Feldschlacht zu stellen. Dafür greifen kleinere Kampfgruppen im Rücken des römischen Heeres überraschend immer wieder dessen Versorgungswege an.

Von allen Germanen beherrschen die Chatten die Kunst des Krieges am besten, wie Tacitus später berichtet: „Für Germanen gehen sie mit viel Überlegung und großem Geschick vor: Sie übertragen das Kommando ausgewählten Leuten, hören auf Vorgesetzte, kennen geordnete militärische Verbände, nehmen günstige Gelegenheiten wahr, verschieben auch mal einen Angriff, verschanzen sich bei Nacht, (...) und setzen, was ganz selten vorkommt und sonst nur römischer militärischer Zucht vergönnt ist, mehr auf den Heerführer als auf das Heer. Ihre ganze Stärke liegt im Fußvolk, das sie außer mit Waffen auch mit Schanzzeug aus Eisen und mit Proviant beladen: Die anderen (Stämme) kann man in eine Schlacht ziehen sehen, die Chatten dagegen in den Krieg.“

Limites machen die dichten Wälder kontrollierbar
Auf den Partisanenkrieg der Chatten reagiert Domitian, indem er von den Ebenen aus Schneisen (limites, Einzahl: limes) in die Wälder schlagen lässt, um feindliche Truppenbewegungen frühzeitig erkennen zu können. Möglich ist, dass die Römer bereits zu dieser Zeit hölzerne Wachtürme an den Schneisen errichten und diese mit Patrouillenwegen verbinden. Bis zum Jahr 85 zieht sich der Krieg ohne entscheidenden Erfolg hin. Dann fällt ein anderer Stamm im heutigen Bulgarien ein, so dass von nun an die dortige Donaugrenze zum wichtigsten Kriegsschauplatz wird.

An Rhein und Main geht es fortan nur noch darum, die besetzten Gebiete zu halten und ins Imperium zu integrieren. Es entstehen offiziell die Provinzen Ober- und Untergermanien. Obergermanien mit Mainz als Hauptstadt reicht von den Alpen bis Koblenz, Untergermanien umfasst den Landstrich am Niederrhein. Doch Germanien kommt noch nicht zur Ruhe: Im Jahr 89 erhebt sich Saturnius, Statthalter Obergermaniens, mit seinen Truppen gegen Rom. Die Chatten verbünden sich mit ihm und plündern Roms rechtsrheinische Gebiete. Kaisertreue Legionen besiegen Saturnius jedoch schnell und greifen auch die Chatten an. Ein überwältigender Sieg Roms beendet diesen zweiten Chattenkrieg und markiert den Beginn einer langen – Historikern zufolge wahrscheinlich vertraglich begründeten – Friedenszeit an Rhein und Main.

Der Limes wird offizielle Staatsgrenze
Um die Jahrhundertwende verlegt Kaiser Trajan die Kastellbesatzungen von Wiesbaden, Hofheim, Heddernheim und Okarben in neu erbaute Stellungen an die Staatsgrenze, die im römischen Sprachgebrauch bald offiziell Limes genannt wird. Von den Wachtürmen aus werden die Grenztruppen als erste alarmiert, sollten feindliche gesonnene Germanen den Limes überschreiten. Das Hinterland samt einheimisch-germanischer Bevölkerung wird in Verwaltungsbezirke (Civitates) gegliedert: Vom Hauptort Frankfurt-Heddernheim (Nida) bis zur Wetterau reicht die Civitas Taunensium, was soviel bedeutet wie „Stammesgemeinde der Taunenser“; um Wiesbaden (Aquae Mattiacorum) liegt die Civ. Mattiacorum, und um den Hauptort Dieburg (Vicus Med..., der vollständige Name ist nicht überliefert) die Civ. Auderiensium.

Trajans Nachfolger Hadrian errichtet ein paar Jahrzehnte später die erste durchgängige Pfahlreihe als Grenzmarkierung. Bis etwa zum Jahr 160 werden die inzwischen maroden Holztürme mit Steintürmen ersetzt. Um das Jahr 159 wird auch der Odenwaldlimes aufgegeben und bis zu 30 Kilometer nach Osten verlegt – wohl auch um die weitläufigen Wälder in Besitz zu nehmen: Der Holzverbrauch zwecks Bauen und Heizen ist gigantisch, so dass bis zum Jahr 180 die verfallende Pfahlreihe am Limes vermutlich wegen Holzmangels mit einem durchgängigen Graben und Wall ersetzt wird. Bis zum Anfang des dritten Jahrhunderts gedeiht das Provinzleben, dann beginnt wieder eine Zeit verstärkter Germaneneinfälle. Sie kündigen den Fall des Limes an – bis im Jahr 260 das allmählich schwächer werdende Imperium Romanum seine Truppen wieder hinter den Rhein zurückziehen muss.


Weiter mit: Die Grenze

[Zum Seitenanfang]

[Zur Artikelauswahl]