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Der Limes wird ausschließlich von Hilfstruppen bewacht, auch Auxiliartruppen genannt. Sie bestehen aus Soldaten, die in den besetzten Gebieten angeworben werden und oftmals dem einheimischen Volk entstammen.
 
 
 
 
 
Jeder Auxiliar-Soldat ist ausgerüstet mit einem Kettenhemd, welches über einer kurzen Tunika getragen wird, einer Hose aus Leder oder Stoff, einem Halstuch, Schuhen mit genagelten Sohlen und einem Helm. Dazu kommen Schwert, Dolch, Schild und verschiedene Lanzen und Wurfspeere

Jeder Auxiliar-Soldat ist ausgerüstet mit einem Kettenhemd, welches über einer kurzen Tunika getragen wird, einer Hose aus Leder oder Stoff, einem Halstuch, Schuhen mit genagelten Sohlen und einem Helm. Dazu kommen Schwert, Dolch, Schild und verschiedene Lanzen und Wurfspeere. Foto: Vindelikerkohorte

 

 
 
 
 
 
Reste einer Wasserleitung. Die fortschrittliche Sanitärtechnik der Römer beugt dem Ausbruch von Infektionskrankheiten vor
Reste einer Wasserleitung. Die fortschrittliche Sanitärtechnik der Römer beugt dem Ausbruch von Infektionskrankheiten vor. Foto: S. Theby
 
 
 
Luftaufnahme der Saalburg, links unten die Grundmauern des Bades. Foto: Storch
 

 

 

 

Zwei Gräben umgeben das Römerkastell Saalburg Zwei Gräben umgeben das Römerkastell Saalburg. Foto: S. Theby

Das Imperium rüstet auf

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Um die Grenze zum freien Germanien gut überwachen zu können, werden entlang des Limes rund 120 militärische Stützpunkte gebaut – die Kastelle. 49 davon entstehen in Hessen.

Von Sebastian Theby

Die Größe der Kastelle in Hessen variiert beträchtlich. In unzugänglichen Mittelgebirgen wie dem Taunus und dem Odenwald sind verhältnismäßig wenig Angriffe von germanischen Stämmen zu erwarten, daher werden dort größtenteils kleinere Numerus-Kastelle gebaut, die 150 Mann Platz bieten. In offenem Gelände oder in der Nähe von Fernstraßen, die ins freie Germanien führen, ist die Lage anders: hier beherbergen die Kohorten-Kastelle 500 bis 1000 Soldaten auf einer Fläche von bis zu zwölf Fußballfeldern.

Dem Kaiserkult geweiht
Da es im römischen Reich üblich ist, Truppenteile bei Bedarf zu versetzen, ist die Bauweise der vielen Kastelle entlang des Limes sehr einheitlich – die versetzten Soldaten finden sich also im neuen Lager sofort zurecht.
Vor allem in der Anfangsphase der römischen Besetzung besteht die Umfriedung der Kasernen aus Holz. Später werden diese Wände durch vier bis fünf Meter hohe steinerne Mauern ersetzt. Um die Anlage herum ziehen sich ein oder zwei wasserlose Gräben, innerhalb der zinnenbewehrten Mauern führt ein Erdwall hinauf zum Wehrgang. Die Kastelle sind an sich jedoch nicht als ultimative Wehranlagen gedacht, was schon die relativ geringe Mauerhöhe zeigt – römische Stadtmauern sind beispielsweise um einiges höher. Vielmehr handelt es sich um eine Kaserne, deren Verteidigung hauptsächlich von der großen Kampfkraft der stationierten Soldaten abhängt.


Zwei Hauptstraßen ziehen sich durch das Lager. Die via principalis verbindet die beiden Seitentore, und die via praetoria führt vom Haupttor ins Zentrum. Die beiden Straßen kreuzen sich genau dort, wo sich die Vorhalle der Kommandantur (principia) befindet. In dieser Vorhalle treten die Soldaten zum Appell an. Hinter der Vorhalle liegt ein Innenhof, der von einem überdachten Gang umgeben ist. In den anliegenden Räumen sind die Waffenkammern der Kaserne untergebracht. Hinter dem Hof liegt eine weitere Querhalle, Schreibstuben, die Lagerkasse und das Fahnenheiligtum. Dieser Raum ist der Wichtigste der Kommandantur, was schon durch seine spezielle Lage verdeutlicht wird – er liegt genau in der Mittelachse des Gebäudes. Das Fahnenheiligtum ist den römischen Göttern und dem Kaiserkult geweiht, zudem sind dort die Fahnen der Truppe und ein Bildnis des Kaisers aufgestellt. In einigen Kastellen gibt es außerdem einen Tempel, der dem Gott Mithras geweiht ist. Der antike hermetische Kult ist bei den Soldaten recht beliebt, und so entstehen auch in den Stadtzentren etliche Kultplätze.

Die restliche Fläche des Kastells wird zu einem großen Teil von den Mannschaftsbaracken belegt. Die bis zu 70 Meter langen Gebäude bieten Platz für zehn Wohnstuben, in denen je acht Mann wohnen. In den Räumen gibt es einen Kamin, der nicht nur als Heizung, sondern auch als Kochstelle dient. Vorgelagerte Räume dienen als Lager für Ausrüstung und Kleidung. Zu diesen Schlaf- und Wohnquartieren gesellen sich schließlich noch Sanitäranlagen, ein Getreidespeicher, in größeren Kastellen ein Lazarett und auch einige Werkstätten, denn in den Auxiliareinheiten gibt es eine Menge Handwerker wie Schmiede, Schreiner, Schuster und andere, die eine gewisse Selbstversorgung der Truppe ermöglichen.

Das Kastell als attraktiver Nachbar
Die truppeneigenen Handwerker können aber nicht alle Arbeiten selbst ausführen. So entstehen im Laufe der Zeit vor den Kastellen kleine Dörfer, deren Einwohner – teilweise sind es auch Angehörige der Soldaten – von der Kaufkraft des Militärs profitieren. Wird das Kastell aufgegeben, geschieht dies auch mit den Kastelldörfern; man zieht mit Sack und Pack der Truppe hinterher.
Die Häuser des Dorfes werden entlang der Straße gebaut, die zum meistgenutzten Kastelltor führt. Sie haben oft eine Stirnseite von nur fünf bis sieben Metern, reichen aber teilweise bis zu vierzig Meter nach hinten. Vorne befinden sich Geschäfte, im hinteren Teil liegen die Wohnungen und Wirtschaftsräume.

In größeren Kastelldörfern gibt es Hotels mit Schlafmöglichkeiten für Gäste des Kastellkommandanten und einen eigenen Marktplatz. An einigen Orten finden sich sogar kleine Amphitheater – ein beliebter Zeitvertreib, nicht nur beim Militär. Um die Moral der Truppe aufrecht zu erhalten, wird jedem Soldaten außerdem das Recht auf ein beheiztes Badehaus garantiert. So findet sich in der Nähe eines jeden Kastells, und sei es auch noch so klein, eine Therme, in der sich die Soldaten säubern und entspannen können. Meist werden diese Thermen auf einer sonnigen Stelle zwischen Kastell und Dorf gebaut, wie im Falle der Saalburg.

In der Tat ist es nicht unbedingt von Nachteil, Soldat in römischen Diensten zu sein. Neben sicherem Gehalt und guter Verpflegung winkt das römische Bürgerrecht, welches die Soldaten nach 25 Jahren Dienstzeit erhalten. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Truppen am Limes ausschließlich aus angeworbenen Männern aus den römisch besetzten Gebieten bestehen. Während des Niedergangs des Limes und der Kastelle ist die Zusammensetzung der Truppen jedoch nicht unbedingt ein Garant großer Verteidigungskraft. Die einheimischen Soldaten können sich besseres vorstellen, als von ihren vorwärtsdrängenden Landsmännern den Schädel eingeschlagen zu kriegen. Viele Kastelle werden deshalb gar nicht erst groß verteidigt, sondern kampflos aufgegeben und verlassen.

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Multimedia

 

Video: Ein Rundgang
durch das Römerkastell Saalburg

 

Bildergalerie: Nochmal
die Saalburg