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Limesausbaustufe 1
(Bilder zum Vergrößern anklicken)
 
 
 
 
 
 
 
Limesausbaustufe 2
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Limesausbaustufe 3
 
 
 
 
 
 
 
Limesausbaustufe 4a
 
 
 
 
 
 
Limesausbaustufe 4b
 
Isometrische Darstellung eines Limes-Wachturms. Zum Vergrößern auf das Bild klicken.

 

 

 

Rekonstruierte Limespalisade bei der Saalburg Rekonstruierte Limespalisade bei der Saalburg. Foto: S. Theby

Die Grenze

Rom verdeutlicht seine Machtansprüche

Der Obergermanisch-Rätische Limes zieht sich vom Rhein bis zur Donau. Mit einer Länge von 550 Kilometern ist er das zweitlängste Bauwerk der Erde, nur noch übertroffen von der Chinesischen Mauer. Die Errichtung des Limes ist ein gewaltiger Aufwand, und bis zum Erreichen der letzten Bauphase vergehen mehr als 100 Jahre.

Von Sebastian Theby

Stufe 1, ab 89 nach Christus:
Eine Schneise mit Weg und Wachtürmen ist die erste Ausbaustufe des Limes. Zwar gab es auch schon vorher eine sichtbare Grenze, doch die orientierte sich am natürlichen Geländeverlauf. Nun aber werden eigens schnurgerade Schneisen geschlagen, und Türme in 300 bis 1.000 Meter Abstand gebaut. An einigen Stellen verläuft entlang des Weges außerdem ein hölzerner Zaun – ein Vorläufer der Palisade, die später errichtet wird. Die Türme bestehen größtenteils aus Holz, unten sind sie zusätzlich mit einer Mischung aus Lehm, Steinen und Grassoden verstärkt, und ein Graben zieht sich rundherum. Wachtposten können sich von Turm zu Turm verständigen, indem sie ein Signalfeuer entfachen oder ein Horn blasen. Auf diese Weise können die nächstgelegenen Kastelle schnell alarmiert werden, und Verstärkung ist im Ernstfall schnell zur Stelle. Aber auch mit der Verstärkung lassen sich keine allzu großen Schlachten schlagen: pro Kilometer Limes stehen umgerechnet gerade mal 50 Soldaten zur Verfügung.

Stufe 2, um 120 nach Christus:
Neben dem Weg wird eine durchgehende Palisade gebaut. Nicht überall stehen die dicken Stämme so dicht zusammen wie auf der Abbildung zu sehen, an manchen Stellen haben sie einen Abstand von 40 Zentimetern zueinander. Einzelne Menschen können damit natürlich nicht aufgehalten werden, wohl aber Ochsenkarren. Das verdeutlicht, dass der Limes in erster Linie keine Wehranlage ist, sondern als sichtbare Grenze zum römischen Reich der Überwachung und Kontrolle dient. An den – ebenfalls bewachten – Übergängen werden die Besitzer der Ochsenkarren dann zur Kasse gebeten: das römische Imperium will finanziert werden. Streckenweise markieren der Main und die Donau die Grenze des römischen Reiches. Nasser Limes ist die Bezeichnung dieser Abschnitte, die von den Römern mit wendigen Patrouillenbooten bewacht werden.

Stufe 3, um 150 nach Christus:
Die Holztürme werden abgerissen. Ein paar Meter daneben entstehen solide Steintürme, die (wie schon zuvor die Holztürme) dreigeschossig sind. Der Eingang im ersten Stock ist nur über eine Leiter zu erreichen, um eine überraschende Erstürmung des Turms zu verhindern. Im Erdgeschoss befindet sich ein Vorratslager, im mittleren Geschoss der Aufenthaltsraum der Soldaten. Den Wachraum in der obersten Ebene umläuft mancherorts eine Holzgalerie. Die rund 900 Wachtürme am Limes sind zwar alle nach dem gleichen Prinzip gebaut, sind allerdings nicht immer baugleich. Vier bis acht Soldaten aus dem nächstgelegenen Kastell versehen bei dem Turm ihren Dienst. In einigen Fällen werden die Türme weiß verputzt und mit Fugen bemalt, die den Turm aussehen lassen, als wären zu seiner Erbauung sehr große Steine verwendet worden.

Stufe 4a, Ende des 2./Anfang des 3. Jahrhunderts nach Christus:
Nachdem in den Vorjahren Teile des Limes durch germanische Aufständige zunehmend zerstört worden sind, reparieren die Römer die Grenzbefestigung nun wieder und rüsten sie sogar noch auf. Hinter der Holzpalisade entstehen zusätzlich ein Graben und ein Wall, in der Provinz Raetien (heute Ungarn) eine drei Meter hohe Mauer. Dieses System, in dem Palisade, Graben und Wall gleichzeitig den Limes gebildet haben, ist seit langem anerkannter Stand der Wissenschaft. Mittlerweile wird jedoch diskutiert, ob eine neue Theorie nicht wahrscheinlicher ist.

Stufe 4b, Ende des 2./Anfang des 3. Jahrhunderts nach Christus:
Neuere Forschungsergebnisse lassen darauf schließen, dass Palisade, Wall und Graben nicht gleichzeitig existiert haben. Stattdessen scheint es so, dass die Palisade im Laufe des 2. Jahrhunderts verschwindet. Die Gründe dafür sind Überfälle aufsässiger Germanen, sowie die Vernachlässigung der Grenzanlagen durch die Römer, denn die haben andernorts genug mit dem Stamm der Markomannen zu tun. Die Palisade kann aber nicht so einfach wieder errichtet werden, weil mittlerweile ein Großteil des Waldes gerodet ist – Holz ist der einzige Energielieferant, und es gilt ein riesiges Heer zu unterhalten. Ökonomisch geschickt, behelfen sich die Römer mit der rohstoffsparenden Graben-Wall-Variante. In den Jahren 254 bis 260 nach Christus räumen die Römer schließlich das Feld: Vorstöße eines Verbundes germanischer Stämme, der Alamannen, lassen sie den obergermanischen Limes als Grenze endgültig aufgeben.

 

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Multimedia

 

Flash-Animation: die Ausbaustufen des Limes