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Der Feldherr Gaius Julius Cäsar
Der Feldherr Gaius Julius Cäsar. Foto: Wikimedia Commons
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Der Siedlungsraum der germanischen Stämme zur Zeit Tacitus'

Der Siedlungsraum der germanischen Stämme zur Zeit Tacitus' (zum Vergrößern klicken)

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Der Stamm der Chatten (ausgesprochen „Katten“) lebten im Gebiet des heutigen Hessens.

 
 
 
 
 
 
Tacitus über den germanischen Stamm der Chatten: „Für Germanen zeigen sie viel Umsicht und Geschick; [...] das Glück halten sie für unbeständig und nur die eigene Tapferkeit für beständig.“
 
 
 
 

 

 

 

Arminiusdenkmal im Teutoburger Wald

Arminiusdenkmal im Teutoburger Wald. Foto: S. Theby

Der große Auftritt der Germanen

Ein Volk in seiner Jugendzeit

Der Limes ist die gut bewachte Grenze des römischen Weltreiches. Auf der anderen Seite viel Wald, Sumpf – und widerspenstige Germanen. Was ist das eigentlich für ein Volk, das sich so erfolgreich der römischen Macht erwehrt und damit die Entwicklung Europas maßgeblich mitbestimmt?

Von Sebastian Theby

Als 120 vor Christus germanische Stämme aus Norddeutschland in Richtung Alpen wandern, sind sie in Rom noch unbekannt. Man bringt sie mit den Kelten in Verbindung. Dabei liegen die Römer noch nicht mal ganz verkehrt, hat doch die keltische Kultur zu diesem Zeitpunkt einen großen Einfluss in den rechtsrheinischen Gebieten. Keltische Siedlungen sind heute noch in Mittelhessen nachweisbar (zum Beispiel das „Heidetränk-Oppidium“ auf dem Dünsberg bei Gießen).

„Allmählich zur Geltung gekommen“
Die germanische Kultur aus dem Norden rückt erst später dauerhaft in diese Gebiete vor, und verdrängt die keltische dabei. Wären die Kelten von den Römern später nicht assimiliert worden, hätte sich die keltische Kultur sicherlich noch weiter verbreitet – schließlich war sie um einiges weiter entwickelt als die germanische.
In den Jahren 113 und 105 vor Christus treffen Teile der wandernden germanischen Stämme in der Alpenregion auf römische Legionen, und vernichten sie trotz ungünstiger Voraussetzungen. Auch wenn diese Stämme bis 101 vor Christus alle besiegt und versklavt sind – der Tod von unzähligen Legionären brennt sich fest ein in das kollektive Gedächtnis der Römer.

Der griechische Historiker Poseidonios erwähnt die Germanen im Jahr 80 vor Christus als erster. Er äußert sich in einer Schrift abfällig über die Essgewohnheiten der Germanoi, wie er sie nennt. Wenige Jahre später folgt ein weiterer bemerkenswerter Auftritt der Germanen: In den Sklavenaufständen unter Spartakus gibt es ein eigenes Regiment, welches nur aus Kimbern und Teutonen besteht. Es sind Mitglieder eben jener Stämme, die sich 120 vor Christus auf Völkerwanderung begaben, und den Römern schon einmal kräftig Ärger bereitet hatten.
Im Gallischen Krieg (58 bis 51 vor Christus) legt der Feldherr Cäsar mehr oder weniger willkürlich den Rhein als Grenze zwischen Gallien (heute Frankreich und Belgien) und Germanien fest. Der Name „Germanen“ wird von ihm zu dieser Zeit schon wie selbstverständlich benutzt. Und der Historiker Tacitus schreibt in der Erzählung Germania: „Die nämlich, die zuerst den Rhein überschritten und die Gallier vertrieben hätten, seien damals Germanen genannt worden. So sei der Name eines einzelnen Stammes, nicht der eines Volkes, allmählich zur Geltung gekommen.“

Keine Rede von Unterwerfung
Die Barbaren, wie die Germanen von den Römern auch genannt wurden, sind sich vor 2000 Jahren jedenfalls keines Nationalgedankens bewusst. Vielmehr gibt es eine Vielzahl von Stämmen, die zwar sehr ähnliche Lebensweisen und Traditionen haben und auch miteinander handeln, ansonsten aber unabhängig voneinander sind. Lokalhäuptlinge und Könige haben die Führungspositionen inne. Im Kriegsfall verbünden sich einzelne Stämme. Ein bekanntes Beispiel ist das Bündnis unter dem Cheruskerfürsten Arminius, der den Römern eine entscheidende Niederlage im Teutoburger Wald (bei Kalkriese) beibringt. Wie brüchig solche Gefüge jedoch sind, zeigt Arminius’ Ermordung einige Jahre später – der Mörder entstammt vermutlich der eigenen Familie.

Nach dem Rückzug der Kelten erstreckt sich der Siedlungsraum der germanischen Stämme vom Rhein bis in das Gebiet des heutigen Litauens, und von der Donau bis nach Schweden.
Und zumindest bis zur Elbe wollen die Römer eigentlich vorstoßen. Mittel- und Norddeutschland sollen dem Imperium Romanum einverleibt und zu Provinzen gemacht werden – doch der Plan will nicht so richtig aufgehen.
Im Jahr 9 vor Christus durchquert der Heerführer Drusus das Land und erreicht tatsächlich das Ufer der Elbe. Dort prophezeit ihm eine germanische Seherin von der anderen Flussseite aus seinen nahen Tod. Die Expedition kehrt um, Drusus fällt vom Pferd, und bricht sich dabei den Oberschenkel. Kurz darauf holt ihn die Vorsehung ein, und er stirbt an dieser Verletzung.
18 Jahre später fallen 20.000 römische Soldaten bei der Schlacht im Teutoburger Wald, ein katastrophaler Verlust für Rom. Auch die folgende Vergeltungsaktion, der Germanische Krieg von 13 bis 16 nach Christus, bringt den Römern keine nennenswerten Vorteile. Tatsächlich sterben noch mehr Legionäre, als sie per Schiff aus Norddeutschland nach Köln zurückkehren: viele ertrinken, als ihre Schiffe in einem Sturm kentern.
Rom schließt, vor allem in der Folgezeit, zeitweise Verträge mit mehreren Stämmen zwischen Rhein und Elbe. Von einer Unterwerfung der drei bis vier Millionen Menschen in diesem Gebiet kann aber keine Rede sein.

Ende der Expansion
Das Jahr 83 nach Christus: Rom bricht einen neuen Krieg vom Zaun, und zwar gegen den germanischen Stamm der Chatten. Gleichzeitig beginnt man mit der Errichtung des Limes. Zwar wird in Rom denn auch im Jahr 89 der Sieg über die Chatten propagiert, und auch die Eroberung Germaniens „bis zur Elbe“ ist angeblich vollbracht. Doch die Realität sieht anders aus: man steht immer noch vor einem riesigen Gebiet, das zahlreiche renitente Stämme beheimatet. Der Rheingau, die Wetterau und das Gebiet südlich des Mains sind unter römischer Kontrolle, im Norden jedoch gibt es kein Vorwärtskommen. Die germanischen Wälder sind oft zu dicht und undurchdringlich, lediglich kleine Pfade und Wege ziehen sich durch das Dickicht – das römische Heer braucht aber viel Platz, um effektiv kämpfen zu können. Im Unterholz kommt es wiederholt zu Überfällen durch Chatten und Hermunduren, die sich im Terrain bestens auskennen und nach jedem Angriff genau so blitzartig verschwinden können, wie sie aufgetaucht sind. Was in der Varusschlacht 9 nach Christus bereits zum Verhängnis der römischen Legionen wurde, ist jetzt einmal mehr Mitgrund für den Misserfolg.

Roms Verzicht auf die Eroberung Germaniens bis zur Elbe wird mit dem Bau des Limes noch einmal unterstrichen, friedlichere Zeiten brechen wieder an. Der Friede wird zwar teilweise durch Verträge erzwungen – manchmal sorgen adlige Geiseln aus dem feindlichen Lager für die Einhaltung – aber die Expansionspläne Roms sind gestoppt. Der Limes symbolisiert nicht nur die größte Ausdehnung des römischen Reiches, er steht auch für den Freiheitswillen der germanischen Stämme. Die Germanen und ihr Widerstand werden zu einem einflussreichen Faktor in der weiteren Entwicklung Europas.

Weiter mit: Krieger und Bauern östlich des Rheins

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