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Als die Römer nach Hessen kamen Der Auftakt zu 400 Jahren Krieg und Frieden in Germanien Wir schreiben das Jahr 12 vor Christus: Ganz Gallien ist besetzt. Ganz Gallien? Ja, ganz Gallien. Der römische Heerführer Drusus steht mit seinen Legionen am Rhein, der Grenze des Imperiums. Östlich des Stroms erstrecken sich die düsteren Urwälder Germaniens. Zahlreiche Stämme siedeln hier – und diese Barbaren, wie die Römer sie nennen, stellen eine permanente Bedrohung für die Bevölkerung Galliens dar.
Die Chatten wechseln die Fronten In den Jahren 10 und 9 v. Chr. führt Drusus seine Armee erneut gegen die Chatten. Bei diesen Vorstößen marschiert das römische Heer mitten durchs Rhein-Main Gebiet: Von Mainz aus über den Rhein, entlang des Mains bis zum Frankfurter Raum, von dort aus nach Norden durch die Wetterau und weiter in Richtung Giessener Senke. Im Zuge dieses Vorstoßes entsteht das Lager Rödgen bei Bad Nauheim, welches Archäologen als Versorgungslager der weit im Barbarenland operierenden Armee deuten. Das Lager bleibt bis höchstens 8 v. Chr. in Betrieb; es ist das einzig bekannte aus dieser ersten Phase der Germanenkriege. Drusus kämpft im Jahr 9 v. Chr. erfolgreich gegen mehrere Stämme. Bis an die Elbe gelangt er, wo er ein Siegesdenkmal errichten lässt. Auf dem Rückweg erleidet der berühmte Heerführer jedoch einen Unfall und verletzt sich so schwer, dass er bald darauf stirbt. Tiberius befriedet Germanien –
vorerst Dies mag etwas übertrieben sein, doch tatsächlich gelingt ihm, „mehr durch kluge Diplomatie als durch Gewalt“, was seinem Bruder versagt blieb: Mit Umsiedelungsmaßnahmen und Verträgen bindet er die jenseits des Rheins lebenden Stämme an Rom. Alle Lager östlich des Rheins, darunter das in Rödgen, werden nahezu zeitgleich in den Jahren 8 oder 7 v. Chr. geräumt. Das deutet darauf hin, dass Kaiser Augustus die politischen Ziele offenbar als erreicht ansah: Zwischen Gallien und den Weiten Germaniens ist eine Art Pufferzone entstanden, in der ausschließlich romfreundliche Stämme siedeln, bzw. solche, die in einigermaßen engen Kontakt mit Rom stehen. Tiberius kehrt nach Rom zurück und feiert seine Erfolge. In den Jahren danach bleibt es friedlich am Rhein – doch die Ruhe trügt. Ein „gewaltiger Krieg“
bricht los Das Vorhaben einer Gallien vorgelagerten Pufferzone am Rhein ist offensichtlich gescheitert. Um der dauernden germanischen Bedrohung dennoch Herr zu werden, zieht Kaiser Augustus nun die vollständige Eroberung des freien Germaniens in Betracht. Doch zunächst entsteht im Osten ein neuer Machtfaktor: Unter ihrem König Marbod vereinigen sich mehrere Stämme im Gebiet des heutigen Böhmens – die erste wirkliche Staatsbildung germanischer Völker. Mit zwölf Legionen rücken die Römer im Jahr 6 von Westen und Süden gegen Marbod vor, um mit einem Präventivschlag die potenzielle Bedrohung zu beseitigen, die von dem vereinten Germanenreich ausgeht: Immerhin stehen in Marbods Heer rund 70.000 Kämpfer und weitere 4.000 Reiter bereit. Zu einer Entscheidungsschlacht kommt es nicht, da kurz zuvor in der römischen Balkan-Provinz Pannonien ein Aufstand losbricht. Das römische Heer macht kehrt und marschiert gegen die Aufständischen – denn nun ist auch das nahe Italien in Gefahr. Marbod nutzt diese akute Schwächung der römischen Grenzen jedoch nicht aus und schließt Frieden mit Rom. Die Varusschlacht: 20.000 tote Soldaten Nach dem Tod von Kaiser Augustus im Jahr
14 wird Tiberius sein Nachfolger; das Kommando über die Rheinarmee
führt nun Germanicus, der Sohn des Drusus. Bis zum Jahr 16 unternimmt
er mehrere Feldzüge bis tief ins Germanenland, teils mit mehr als
30.000 Mann. „Mehr um die Schmach zu tilgen wegen des mit Quintilius
Varus verlorenen Heeres, als aus Verlangen nach Erweiterung des Reiches
oder wegen eines sich verlohnenden Gewinns“ urteilt Tacitus später
über den Sinn der Vorstöße. Doch die militärischen
Erfolge der zwei Kriegsjahre sind mäßig und die Verluste hoch.
Cherusker und Chatten sind noch immer nicht geschlagen, ein baldiger Sieg
ist nicht abzusehen. Kaiser Tiberius beruft Germanicus zurück nach
Rom – das offizielle Ende des Krieges um Germanien. Die Stützpunkte
östlich des Rheins wie Höchst und Friedberg werden aufgegeben,
ein Brückenkopf einschließlich Wiesbadens bleibt jedoch besetzt.
Es soll rund 70 Jahre dauern, bis ein weiterer Krieg die Wende bringt
– und im Schutz des Limes eine neue römische Provinz gedeiht.
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